Übergang Schule- Beruf für Menschen im Autismus Spektrum
Im rehabilitationspädagogischen Rahmen ist die Transition eine zentrale Entwicklungsaufgabe im Lebensverlauf und markiert bedeutsame biografische Veränderungen. Insbesondere der Übergang von der Schule in den Beruf gilt als eine sensible Phase, in der individuelle Voraussetzungen, institutionelle Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Anforderungen aufeinandertreffen. Für junge Menschen im Autismus-Spektrum (ICD-10: F84.0–F84.9; im ICD-11 als Autism Spectrum Disorder zusammengefasst) können diese Transitionen aufgrund autismusspezifischer Besonderheiten mit erhöhten Anforderungen verbunden sein und bedürfen einer frühzeitigen, individuell abgestimmten Unterstützung.
Aus rehabilitationspädagogischer Perspektive orientiert sich der Vortrag am bio-psycho-sozialen Modell der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Behinderung wird hierbei als Ergebnis der Wechselwirkung zwischen Gesundheitszustand, personenbezogenen Faktoren und Umweltfaktoren verstanden. Im Mittelpunkt stehen die individuelle Funktionsfähigkeit, die gesellschaftliche Teilhabe sowie Ressourcen und Barrieren. Daraus leiten sich rehabilitationspädagogische Leitprinzipien wie Personenzentrierung, Partizipation und Empowerment ab, die die Selbstbestimmung und berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen fördern.
Den normativen Bezugsrahmen bildet die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Insbesondere die Rechte auf inklusive Bildung (Art. 24) sowie auf Arbeit und Beschäftigung (Art. 27) verdeutlichen den gesellschaftlichen Auftrag, Übergänge diskriminierungsfrei, inklusiv und teilhabeorientiert zu gestalten. Transitionen werden damit nicht ausschließlich als individuelle Entwicklungsaufgabe verstanden, sondern als gemeinsame Verantwortung unterschiedlicher Systeme und Akteur*innen.
Vor diesem Hintergrund gibt der Vortrag einen kurzen Einblick in die Gestaltung beruflicher Transitionen von jungen Menschen im Autismus-Spektrum in rehabilitationspädagogische Ausbildungsangebote. Im Mittelpunkt stehen sowohl individuelle Unterstützungsbedarfe als auch strukturelle Rahmenbedingungen. Dabei werden insbesondere die Spannungsfelder an den Schnittstellen verschiedener Systeme, beispielsweise zwischen Schule, beruflicher Rehabilitation, Sozialleistungsträgern und Ausbildungseinrichtungen, betrachtet. Unterschiedliche gesetzliche Aufträge, institutionelle Logiken und Zuständigkeiten beeinflussen die Gestaltung gelingender Übergänge und machen interprofessionelle Kooperation zu einer zentralen Voraussetzung erfolgreicher Teilhabe.
Darüber hinaus werden ausgewählte Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten sowie grundlegende Zugangswege in eine gestützte rehabilitationspädagogische Berufsausbildung vorgestellt. Der Vortrag lädt dazu ein, berufliche Übergänge aus einer personenzentrierten und teilhabeorientierten Perspektive zu reflektieren.
Zentrale Fragestellungen
- Welche spezifischen Unterstützungsbedarfe bestehen bei jungen Menschen im Autismus-Spektrum während der Transition von der Schule in den Beruf?
- Welche Bedeutung haben die ICF und die UN-Behindertenrechtskonvention für eine personenzentrierte und teilhabeorientierte Gestaltung beruflicher Transitionen?
- Welche Spannungsfelder entstehen an den Schnittstellen zwischen Schule, beruflicher Rehabilitation, Sozialleistungsträgern und Ausbildungseinrichtungen?
- Welche Chancen, Barrieren und Grenzen prägen Transitionen in Ausbildung und Beruf?
- Wie gestaltet sich der Zugang zu einer gestützten rehabilitationspädagogischen Berufsausbildung?
Zielstellung:
Der Vortrag vermittelt einen Überblick über rehabilitationspädagogische Perspektiven auf berufliche Transitionen von jungen Menschen im Autismus-Spektrum. Im Fokus stehen zentrale theoretische Grundlagen, ausgewählte Spannungsfelder sowie Impulse für eine personenzentrierte, partizipative und teilhabeorientierte Gestaltung von Übergängen.
Referentin: Ina Jahnke